101 Roti in 14 Tagen – Sri Lanka

Ich sitze in einem Café in Colombo und unter meinem Tisch ist gerade eine Ratte langgelaufen. Das Mädchen gegenüber schaut zu mir, sie hat die Ratte also auch gesehen. Sie hat dunkle Augen und noch dunkleres Haar. Ich blicke einen Moment zu spät nach hinten und kann nur noch einen langen Schwanz um die Ecke verschwinden sehen. Das war also kein so niedliches Exemplar wie unsere ehemalige Bordratte Rudolf… Jedes Land hat seine Eigenheiten, ob gut oder schlecht liegt wohl im Auge des Betrachters.


Bleiben wir noch eine Weile in diesem Café. Oder meinetwegen auch in einem anderen Café in Galle. Morgens und abends zieht es uns in diese stets rustikalen, für den Europäer nur im Grade des anscheinenden Verfalls unterscheidbaren Etablissements mit ihrem immer gleichen Angebot an Speisen: Roti mit Gemüse, Roti mit Ei, Roti mit Hühnchen und Roti ohne alles. Diese handlichen Teigrollen oder –ecken ähneln dem deutschen Eierkuchen, sind nur ohne Eier zubereitet. Vor Benni und mir steht dann also ein Tablett mit circa zehn Roti aus den oben genannten Kategorien. Daneben ein Glas Wasser, daneben eine Cola, weil wir das Wasser nicht trinken, daneben Chili- und Currysaucen und schließlich ein Serviettenhalter mit Zeitungspapier. Das macht 2 Seemänner satt und bei einem Preis von 1,50 Euro pro Person auch glücklich!

Sicherheitsbeamte am Hafeneingang

Vollgestopft machen wir uns auf unserem Roller auf den Nachhauseweg. Das Spirituosengeschäft hat nach neun Uhr leider nicht mehr geöffnet, also gibt es heute kein Bier auf dem Vorschiff. Am Eingang zum Hafen wartet dann schon wieder eine Armada aus Sicherheitsbeamten auf uns. Den ganzen Tag stehen sich dort fünf bis sieben Personen in Schichten professionell die Beine in den Bauch. Klar wird einem da langweilig und man fängt an die Segler zu gängeln. „Was hast Du da im Rucksack?“ – „Nichts.“ – „Kein Bier? Zigaretten?“ – „Nein, wir haben heute nur ein Seil für unser Boot gekauft.“ – „Hast du dafür eine Erlaubnis?“ – „Nein, brauch ich die etwa? Ist schließlich ein Seil und kein Sprengstoff…“ – „Ja, geh zu deinem Agenten und hol’ dir eine Erlaubnis. Oder hast du Whiskey?“ – „Nein… ich geh dann mal zu meinem Agenten, ja?!“ Fünf gestempelte Seiten und eine halbe Stunde später, dürfen wir dann die Schranke passieren. Allerdings ohne Roller. Der muss draußen bleiben, schließlich haben wir keine Erlaubnis dafür. Wir gehen noch eine viertel Stunde durch das verlassene Hafengelände, bis wir schließlich unsere Heimatbasis erreichen und müde in die Kojen fallen.

Fliegender Juwelier

Am nächsten Morgen werden wir unsanft von Geschrei auf dem Steg geweckt. Da steht ein hagerer alter Mann im weißen Kleid und wedelt mit einer Plastiktüte. Obwohl er so viele bunte Stempel in seinem Heft hat, die beweisen, dass er staatlich anerkannter Goldschmied ist, können wir uns für 75 Euro trotzdem keine Goldringe mit riesigen Klunkern leisten. Versuch das mal einem armen Mann beizubringen, wenn hinter dir deine Segelyacht steht…

Wir flüchten zum Frühstück, nicht ohne vorher am Hafenausgang wieder von den Sicherheitsbeamten gegängelt zu werden und bestellen das Übliche. Morgens steht da anstatt einer Cola dann Kaffee. Und spätestens jetzt sind alle Anstrengungen wieder vergessen: Morgens bei einem guten Schluck Kaffee mit den Augen auf der Brandung am Strand einfach die Seele baum… pfui Teufel! Och nö, ich hab vergessen „Ohne Milch und Zucker!“ zu sagen…

2 Gedanken zu „101 Roti in 14 Tagen – Sri Lanka“

  1. Wie liebe ich solche Beschreibungen von Beobachtungen! Klingt alles nicht so tourimäßig, aber das weckt Neugier auf euer Buch! Aber leichtes Leben ist etwas anderes, Jungs, gebt gut auf euch Acht!
    Liebste Grüße von Mama Karin

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