Plötzlich ging alles ganz schnell: Der Wetterbericht in Knysna sagte voraus, dass der Wind innerhalb der nächsten 2 Tage auf Ost drehen würde. Zwar mit bis zu 35 Knoten, aber das sollte unser Dickerchen wohl aushalten können. Da wir ja keinen Windmesser haben und uns bisher bei viel Wind immer darum gestritten haben, ob das nun 20, 30 oder mehr Knoten wären, konnten wir Dank Vorhersage endlich mal unser Windgefühl kalibrieren.

Es wurde also mächtig wackelig an Bord und ein paar unserer “gut verstauten” Wasserkanister wollten nicht mehr an ihrem angewiesenen Platz bleiben. Doch der Käpt’n bewies gutes Augenmaß und so verließen wir die Bucht, wie wir sie vorgefunden haben und waren schon wieder auf offener See. Nur noch ein paar Meilen Indischer Ozean vor uns.


Dienstag Nacht dann auf ein Mal der Temperatur-Sturz. Während wir vorher unsere Schichten draußen noch in Unterhose und Schlafsack absolvieren konnten, mussten wir nun dickes Geschütz aus der hintersten Ecke des Schrankes auffahren. Mit langer Jeans, Pullover und Windjacke durfte ich dann um drei Uhr meinen Dienst im Cockpit antreten. Doch schon nach zwei Stunden wollte uns Mr. Vee nicht mehr auf Kurs halten. Der Wind hatte so stark zugenommen, dass wir trotz 2-mal gereffter Fock in Böen immer noch übertakelt waren. Doch 25 Meilen vor Kapstadt mitten in der Nacht noch die Sturmfock aufziehen erschien mir auch unnötig. Ich meine, das Ding heißt nicht umsonst STURMfock – und das hier war definitiv noch kein Sturm.

Die Einfahrt in den Hafen war dann zum Glück weniger kompliziert, als die Ausfahrt in Knysna. In dem False Bay Yacht Club haben wir dann auch gleich einen Platz am Steg bekommen und ein netter Mann half uns beim Anlegen. Nach dem Manöver fragte er dann nach unserem Bootsnamen und als wir ihm „Marianne“ sagten, fing er gleich an, dass sich wohl schon ein paar Leute Sorgen machen würden und wir uns unbedingt schnell anmelden sollten. An der Rezeption erzählte uns dann die nette Dame, die uns netterweise den Pärchen-Rabatt von 60 Rand, statt 40 Rand pro Person in Rechnung stellte, dass sich Lauren wohl Sorgen gemacht hätte. Nach dem wir uns einen Tag nicht gemeldet hatten, kontaktierte sie den Yachtclub und da eine Sturmwarnung mit mehr als 40 Knoten Wind am Montag herausgegeben wurde, verständigte dieser per Funk alle möglichen Menschen, nach „Marianne“ Ausschau zu halten. Von uns, mit dem anfälligen Funkgerät, blieb das natürlich unbemerkt. Aber es ist ja auch ganz schön, wenn einen die Menschen an einem fremden Ort schon kennen.

